Das Winterwunder ”Weihnacht”

Es war einmal…

 Über zweitausend Jahre ist es her, dass das Christkind die Welt betrat – und doch feiern viele Städte, Länder und Kontinenten seine Geburt noch heute. Es ist ein Fest der Liebe und der Freundschaft, in der dunkelsten Zeit des Jahres. Kälte ist willkommen, denn ein Glühpunsch wärmt die Hand, und die Dunkelheit ist einladend, durch den Glanz der Lichterketten an den Häusern. Diese Zeit trägt einen ganz besonderen Zauber.

Die Traditionen der Weihnachtszeit werden nur leider allzu schnell zu Gewohnheiten. Der Zauber mag verstauben, doch Jahr auf Jahr entdecken wir etwas von uns wieder – erinnert dank Kinder. Auch wenn’s nicht die eigenen sind; der Blick in die leuchtenden, aufgeregten Kinderaugen , erinnert uns an das, was einmal war, an unsere wohlig persönlichen, prasselnd kindlichen Weihnachtserinnerungen.

Weihnachtsmärkte

Zu dieser Zeit darf natürlich nicht das Schlendern über den Weihnachtsmarkt fehlen. Gebrannte Mandeln verströmen ihren süßen Duft und mischen sich mit dem Glühpunsch Aroma. Am Abend verströmen Herrnhuter Weihnachtssterne ein warmes Licht, und die Kerzen der Dresdener Weihnachtspyramiden verteilen einen heißen Wachsgeruch; eine Tüte Mutzen raschelt in der Hand.

Seit dem 14. Jahrhundert ist der Weihnachtsmarkt Tradition in Deutschland, die Idee: Handwerker verkaufen ihre Stücke für das kommende Fest, und da bei solchen Märkten auch der Gaumen nicht zu kurz kommen darf, wurde auch Essen angeboten; gebrannte Mandeln waren sozusagen von Anfang an dabei.

Eine Neuerung für Kinder und Jugendliche sind jedoch die Fahrgeschäfte. Vom Kettenkarussell bis zum Riesenrad reicht mittlerweile das Sortiment auf vielen größeren Märkten; wovon der Älteste unter ihnen der Münchner Christkindlmarkt ist, welcher 1310 erstmals erwähnt wurde.

Adventskranz

Der klassische Weihnachtsmarkt bietet oft schon Dekoration wie Weihnachtskugeln, getrocknete Orangen oder Kerzen für den Adventskranz gekauft. Der Kranz aus Tannenzweigen selber wird von den Erwachsenen gebunden, und gemeinsam beschmückt – begleitet von leiser Musik.

Der erste Kranz seiner Art wurde 1839 von Johann H. Wichern erschaffen, der damals jedoch jedem Dezembertag widmetet, um Waisenkindern zu zeigen, wie lange sie sich noch gedulden mussten bis zum Heiligen Abend.

Er war der Leiter des Hauses; durch seine enge Beziehung zu Kirche verbreitete sich der Brauch in der christlichen Gemeinschaft rasch. Um 1859 herum dekorierte Johann Wichern übrigens erst den Kranz mit Tannenzweigen; und weitere 70 Jahre später wurde der erste Kranz in der Kirche aufgehängt.

Heute ist der Brauch weit verbreitet, und bringt warmes Licht an den Adventswochenenden in Wohnzimmer überall auf der Welt – wenn auch nur mit vier Kerzen.

Skt Nikolaus

Bald nach dem ersten Advent geht auch schon das fleißige Schuhe putzen los: Der Nikolaus soll nämlich nicht nur Mandarinen und Nüsse da lassen, sondern auch am Besten ein Stück Schokolade oder auch zwei! Dabei war das der eigentliche Ursprung des Brauches St. Nikolaus, ein reicher Waisenjunge, dieser war sehr unglücklich; und all seine Besitztümer können ihn von seiner Traurigkeit nicht ablenken.

Eines Tages jedoch, als sein Elend unbeschreiblich wird, findet er seien Weg zum Glück: Indem er mit den Ärmsten teilt, wird er wieder fröhlich. Jeden Abend geht er heimlich los und teilt Mandarinen, Äpfel und Nüsse mit den Bettlern. Einer Familie hilft er aus der Klemme, indem er ihr Münzen schenkt, damit die Töchter eines Mannes heiraten können.

Dieses Gold legte er in ihre gut geputzten Schuhe. Schlussendlich verschenkt er all sein Reichtum und geht auf eine Pilgerreise, nach der er zum Bischof ernannt wurde. Heutzutage gedenkt der Nikolaustag Bischof Nikolaus, und nach Brauch werden Kindern, welche ihre Schuhe gut geputzt haben, Mandarinen, Äpfel und Nüsse – zusätzlich zu der Einen oder Anderen Süßigkeit – immer in die Schuhe gelegt.

Lebkuchen

Eine sehr beliebte Weihnachtstradition ist, nebst Nikolaus, das „bauen“ eines Lebkuchenhauses. Bekannt ist, dass Lebkuchen aus dem 15. Jahrhundert und Nürnberg stammen – doch wer hatte die Idee mit dem Lebkuchenhaus? Das Märchen, was diesen Brauch wohl zum Volke brachte, war wahrscheinlich „Hänsel und Gretel“, welches Anfang 1800 geschrieben wurde.

Hänsel und Gretel verirren sich  in einem Wald, und finden das „Knusperhaus“ einer Hexe – ein Lebkuchenhaus. Durch dieses Märchen wurde die Idee des Lebkuchenhauses bekannt und populär, und noch heute backt und verziert so manche Familie gerne eines um die Weihnachtszeit – und oft wird es nicht gegessen, weil es darum einfach viel zu schade wäre.

Adventkalender

Auch wird sich wohl jeder an das aufgeregte Hämmern des Herzens erinnern, wenn morgens das nächste Türchen des Adventskalenders geöffnet werden durfte. Was ist wohl heute in meinem Beutelchen? Ungeschickte, kleine Hände greifen eifrig in die kleinen Kästchen und zaubern ein Stückchen Schokolade oder ein kleines Spielzeug hervor.

Die ersten Adventskalender waren zwar deutlich einfacher, aber auch für den gleichen Zweck erfunden worden: Sie bestanden aus 24 Kreidestrichen an der Wand, oder aus einer Kerze mit Kerben; Familien, die ein wenig mehr besaßen, haben auch damals schon eine Nascherei daraus gemacht, indem sie 24 Lebkuchen aufgehängt haben.

Die Kalender sollen den Kindern dabei helfen, die Zeit bis Heiligabend vernehmbarer werden lassen – und natürlich auch, um die Spannung zu steigern. Dies wurde allerdings erst nach der Reformation durch Luther notwendig, da die Kinder früher die Geschenke bereits an Nikolaus erhalten haben. Dann jedoch mussten, zumindest ein gewisser Teil der Kleinen, bis zum 24. Dezember warten – und das ist ja fast eine unerträglich lange Zeit.

Der Adventskalender wurde so populär, das auch Katholiken den Brauch übernahmen. Mit der Zeit entwickelte sich der Adventskalender zu einem artenreichen Geschöpf; von Schokolade über Geschichten, Bildern und Spielzeugen werden keine Kinder- und Jugendwünsche nicht erfüllt.

Christbaum

Mit dem Beginn des vierten Advent erhält auch der Christbaum seinen Einzug. Der Brauch, einen Baum zu schmücken, reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück – damals hingen statt Kugeln und Lichterketten noch Früchte und Nüsse in den Bäumen und erst an Neujahr durften die süßen Sachen von den Kinder gegessen werden.

In die christliche Tradition erhielt der Weihnachtsbaum jedoch erst deutlich später zutritt, in der Mitte des 18. Jahrhunderts, da lange Zeit die Meinung galt, dass die Krippe Christi das Symbol für das Fest sein sollte. Zur gleichen Zeit kamen auch die ersten Christbaumkugeln in den Umlauf, welche allerdings am Anfang so teuer waren, dass nur wohlhabende Schichten Zugang dazu hatten.

Mit der Zeit erfreuten sich auch immer mehr im einfachem Volk an ihrem Glanz. Diese Tradition ist übrigens auch sehr verbreitet in den Staaten, da die Auswanderer Europas beziehungsweise Deutschlands diese Tradition mitnahmen und sie sich dort verbreitete.

24 Dezember

Am 24. wird dann der Baum geschmückt, die letzten Besorgungen für das Weihnachtsessen werden gemacht – sehr bliebt bei vielen: Heringssalat mit Bockwurst -, und dann folgt das gespannte Warten. Begleitet von einem erwartendem Kribbeln.

Bei manchen wird diese Zeit befüllt durch einen Besuch in der Kirche, wo man sich die Kinder am Krippenspiel gemeinsam mit den Eltern erfreuen können. Es ist nun fast schon dunkel wenn man die Kirche verlässt, und die schönen Lichterketten in den Fenstern schaffen eine gar verzauberte Stimmung. Menschen lächeln einander an und wünschen sich eine fröhliche Weihnacht, und der Atem bildet kleine Wolken in der kalten Abendluft.

Die Liebe zueinander ist an diesem einzigartigen Abend fast greifbar. Zuhause werden dann endlich und voller Spannung die Geschenke ausgepackt, und freudig spielen Kinder mit ihrem neuen Spielzeugen, während Eltern glücklich die Kleinen beim Spielen beobachten und sich erinnern wie sie selbst noch dort saßen.

Auch, wenn jeder eine andere Vorstellung hat, mag man in dieser Nacht die Nähe Gottes verspüren oder einfach die der Seinen, uns alle verbindet in dieser Zeit die Liebe zueinander.